Geschrieben von Gerold Knisel

Frankfurt am Main. Nach den letzten Herbst-Bilderbuchwochen, in denen die Tübinger Langstreckler ideale Trainingsbedingungen hatten, musste ausgerechnet das Tief "Herwart" den Marathonläufern am Sonntag in die Suppe spucken. Orkanartige Winde und Regen waren vorausgesagt, der Regen hörte dann gnädigerweise kurz vor dem Start um 10 Uhr an der Messe in Frankfurt auf. Die kleine Tübinger LAV-Marathon-Delegation ging trotz dieser widrigen Bedingungen optimistisch ins Rennen. Das dreiköpfige M60-Team rechnete sich sogar eine Medaille aus.

Durchkommen war also angesagt. Immerhin hatten sie in Liebenzell vor 8 Wochen bei der 10km-DM Gold gewonnen. Allerdings mit Klaus Mezger, ein zuverlässiger Marathonläufer, der diesmal nicht am Start war. Der Beginn des Rennens fand inmitten der Bankenhochhauschluchten in der Mainmetropole statt, bevor man über die Mainbrücke in die südlichen Stadtteile wie zum Beispiel Sachsenhausen läuft. Nach der Halbmarathonmarke überquert man den Main zum zweiten Mal und von Höchst aus ab Kilometer 30 gehts wieder in die City zurück. Joachim Stuhlinger hatte die besten Vorleistungen und schon in Liebenzell mit einer Einzelmedaille geglänzt. "Mein Ziel, an die Dreistundengrenze zu laufen klappte bis Kilometer 35, dann waren meine Speicher leer", kommentierte er trocken nach dem Rennen. Dennoch, seine 3:08:30 Stunden können sich sehen lassen. Kurz danach kam der für Mezger kurzfristig eingesprungene Gerold Knisel in die Frankfurter Festhalle eingebogen. In 3:09:51 hatte er etwas gleichmässigere Splits als Stuhlinger und auch hinten raus mehr Kraft. Der dritte im Bunde, Alfred Gross, sonst ein laufendes Uhrwerk, hatte ab Kilometer 35 so grosse Probleme, dass er schon fast ans Aufhören dachte. Mit grosser Energieleistung sicherte er in 3:40:44 dennoch dem LAV-Team Silber hinter dem Lauftreff Unterkirnach. Gross ist ja bereits 68 Jahre alt und sonst meist knapp vor seiner Ehefrau, Nicole Schwindt. Diese jedoch empfing ihren Mann mit Lächeln im Ziel, hatte sie doch ein sehr gutes Rennen abgeliefert. Schon nach kurzer Zeit konnte man sich die Ergebnisse im Internet anschauen und siehe da: Nicole gewann in 3:28:44 überraschend Gold in der W60. "Meine erste Medaille bei den Deutschen und dann gleich der Sieg," kommentierte sie hocherfreut bei der Siegerehrung ihre tolle Leistung. Die Leistung bedeutete auch den Verbesserung des württembergischen Landesrekord um satte 11 Minuten aus dem Jahre 2002. Richtig überrascht war aber Teamleiter Knisel, als er erfuhr, dass zudem in der M40 Klaas Puls Silber gewonnen hatte, in respektablen 2:33:29 Stunden. Und sogar mit Negativ-Split, also mit einer besseren zweiten Hälfte (1:16:52/1:16:37). Auch der Tübinger Walter Johnen konnte sich als Titelverteidiger, knapp nur um 50 Sekunden geschlagen, in der M70 über die Silbermedaille (in 3:34:14) freuen. Johnen startet ja für den VFL Ostelsheim im Kreis Calw. Leider musste der Team-Vizeeuropameister Jürgen Ehret (M50) schon bei Kilometer 23 aussteigen. Seine muskulären Schmerzen waren zu gross. Auch der M50 DM-Seriensieger Matthias Koch konnte wegen einer Verletzung leider seinen Titel nicht verteidigen.

Foto: Mainova Frankfurt Marathon

Hervorragend lief es für Arne Gabius, vier Tage nachdem sein Filius Frederik Bosse zur Welt kam. In 2:09:59 holte er sich DM-Gold als Gesamtsechster genauso wie Katharina Heinig (Eintracht Frankfurt) bei den Frauen (2:29:30), 20 Jahre nach dem Sieg ihrer Mutter Katrin Dörre an gleicher Stelle. Und noch ein Tübinger stand ganz oben auf dem Treppchen: Timo Göhler (2:19:18), ex LAVler, zur Zeit für Düsseldorf startend holte mit seinem ART-Team die Goldmedaille bei den Aktiven. Erfreulich: Göhler wird im nächsten Jahr wieder für die LAV laufen.

Ergebnisse
 
Bild: Golddame Nicole Schwindt inmitten Silber dekorierter Männer. von links. Knisel, Puls, Gross, Schwindt, Stuhlinger, Johnen.