Geschrieben von Jule Vetter

Die Fallzahlen der Corona-Infizierten in Deutschland steigen täglich immer weiter. Die Landesregierung hat am Montag einschneidende Maßnahmen beschlossen, um eine weitere Ausbreitung zu verlangsamen. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, die auf bestimmte Sportstätten angewiesen sind, können die Läuferinnen und Läufer des LAV Tübingen zwar weiterhin ihrem Training nachgehen, solange keine Ausgangssprerre verhängt wird, dennoch bekommen auch die Athleten die Auswirkungen unmittelbar zu spüren.

Robert Baumann und Hanna Klein waren gemeinsam mit anderen deutschen Spitzenathleten im Höhentrainingslager in Iten/Kenia. Im "Home of Champions" wurden harte Trainingseinheiten absolviert und versucht die Normalität des Trainingsalltages aufrecht zu erhalten, obwohl die Sommersaison ungewiss ist. Für Olympia-Anwärterin Hanna Klein stehen ihre Saisonhöhepunkte – die Olympiade in Tokyo und die Europameisterschaften in Paris – auf der Kippe. Sollte eine Eindämmung des Virus nicht gelingen, müssen wohl beide Großevents abgesagt werden. Robert Baumann kann der ganzen Situation etwas gelassener entgegen sehen: „Es ist eine komische Situation. Man weiß aktuell nicht genau für was man wie trainieren soll. Für mich persönlich ist das aber gerade irrelevant. Die Situation lässt sich nun mal nicht ändern und ich habe den Vorteil, dass ich noch sehr jung bin. Der Umstand ist für mich wesentlich weniger schlimm als für die Langstreckler, mit denen ich hier in Kenia trainieren kann. Für sie ist schon klar, dass eine Saison ausfällt.“

Auch Hanna Klein versucht das Beste daraus zu machen: „Hier in Kenia ist noch nichts von einer Pandemie zu spüren. Aktuell gibt es offiziell nur drei Fälle. Dennoch bin ich wirklich erschrocken über die rasante Entwicklung in Deutschland.“ Die Umstände haben die Mittelstrecklerin nun auch dazu bewogen ihr Trainingslager zusammen mit einigen anderen Athleten frühzeitig zu beenden, um noch in die Heimat zurückkehren zu können. Robert dagegen hat sich dafür entschieden in Kenia zu bleiben. „In Deutschland bin ich eher ein Virenvermehrer. Also kann ich auch hier bleiben. Ich denke jetzt in einem Zwei-Jahres-Plan und hoffe auf einen guten Aufbau, sodass ich im Jahr 2021 trotz der Umstände von 2020 profitieren kann“, begründete der Jura-Student seine Entscheidung.

Auch seine Schwester Jackie Baumann, die aktuell in Deutschland trainiert, hat die Auswirkungen des Pandemieplans der Regierung zu spüren bekommen. Da Krafträume und Sportstätten nun überwiegend geschlossen bleiben müssen, hat die Hürdenläuferin ihr Training teilweise in den Wald verlagert. „In solchen Zeiten sollte das Solidarische erstmal überwiegen. Die sportlichen Ziele müssen wir so lange versuchen auf den Wegen zu erreichen, die sich uns bieten. Das Wichtigste ist, sich nicht verrückt zu machen. Es ist erst Mitte März, ich hoffe weiterhin auf eine Sommersaison und darauf, dass sich die Situation bald bessert.“

Auch der Trainer der Senioren-Gruppe Gerold Knisel hat aus gegebenem Anlass seine Trainingsempfehlungen angepasst: Das Training soll vorübergehend nur in möglichst kleinen Gruppen bzw. individuell an Orten mit möglichst wenig Publikumsverkehr stattfinden. Auch den Kilometerumfang sollen seine Athleten wenn möglich etwas reduzieren. „Wir als Sportler haben eine Verantwortung in dieser Situation und sollten Empfehlungen vom Robert-Koch-Institut und den staatlichen Behörden nachkommen“, sagte Knisel. Dennoch sei einigeln auch keine Lösung. Das Training müsse weitergehen, aber auf ein Gruppentraining und vermeidbaren Kontakt könne in der aktuellen Lage verzichtet werden. Einige aus der Gruppe befinden sich zur Zeit bereits in freiwilliger Quarantäne, da sie Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatten. „Nur mit dieser Disziplin, soziale Kontakte deutlich zu reduzieren oder sogar zu meiden, können wir die Ausbreitung des Virus eindämmen“, begrüßte ihr Trainer diese Konsequenz.

Für keinen Menschen sind die Umstände gerade einfach, die Folgen und Auswirkungen noch nicht absehbar. So lange muss jeder einzelne seinen Teil dazu beitragen, dass so schnell wie möglich wieder Normalität eintreten kann. Nur auf diese Weise besteht vielleicht doch noch die Chance, dass Tübinger Athleten im Stadion von Tokyo auf der Bahn stehen und auch noch in diesem Jahr Bestzeiten gebrochen werden können. Wichtig ist nun einen kühlen Kopf zu bewahren, gesund zu bleiben und vernünftige Entscheidungen für seine Mitmenschen und sich selbst zu treffen.