Geschrieben von Katja Fischer

Tübingen. Diese Woche geht es mit Katja Fischer in unserer Serie "Ein Tag im Leben von..." weiter. Die Läuferin nimmt uns einen Tag lang mit von früh morgens bis spät abends. Als Ärztin ist für Katja der Tagesablauf eine Kombination aus Training und Beruf. Wie die Langstrecklerin das meistert - seht selbst. 

Ein typischer Wintermontag als Athletin und Ärztin.

Das Wochenende liegt hinter mir und trotz der ein oder anderen trainingsintensiven Stunde hat es mir hoffentlich genug Möglichkeit zum Akku-Laden gebracht – weil genau der ist an einem minutiös durchgetakteten Montag jetzt gefragt.

  

6:30 Uhr: Der Wecker reißt mich aus dem Schlaf. Dieser Moment, in dem man nicht damit beginnen sollte über „Was wäre wenn ich den Wecker einfach…?“ oder „Warum genau?“ nachzudenken. Stattdessen heißt es keine Zeit zu verlieren, denn um 7 Uhr stehe ich mit dicker Mütze und zwei Jacken in der Dunkelheit und versuche mir mit meinen Handschuhen die Müdigkeit aus den Augen zu reiben. Kann ich noch so viel reiben, es bleibt dunkel, zumindest im Winter. 


Mehr oder weniger wach wackel ich los und nach einigen Minuten gelingt es mir (im Normalfall) dann auch die frische kalte Luft zu genießen. Ich treffe auf meiner Runde an der Steinlach die üblichen Bekannten, im Normalfall Hundebesitzer. Nach einer starken halbe Stunde bin ich zurück, wenigstens 5 min nachdehnen, dann hüpfe ich schnell unter die heiße Dusche und mache mich fertig.

 

Das Frühstück wurde im Optimalfall am Abend vorher gerichtet oder aber es gibt das was mir als erstes in die Hände fällt. Und ja, ich gebe zu, es bleibt nicht aus, dass es „to go“ auf der Fahrt nach Balingen verzehrt wird. Denn ca. 8:15 Uhr sollte ich im Auto sitzen. Tue ich auch, vielleicht schon etwas abgehetzt und das Frühstück neben mir aber inzwischen zumindest hellwach. 

Gute Musik im Auto trägt ihren Teil dazu bei, dass dies auch so bleibt. Es kommt ein Lied das mich an meinen letzten Wettkampf mit Zuschauern erinnert und ich schwelge kurz in schönen Erinnerungen… Wie war das beim Weckerklingeln noch gleich? „Warum genau – darum!“ Hätten wir das also auch geklärt ;). Wann wird wohl das nächste große Rennen sein? Lange Zeit darüber nachzudenken bleibt nicht, denn ich bin (heute erfreulicherweise ganz ohne Neuschnee, Stau oder sonstige Zwischenfälle) in Balingen angekommen. Und spätestens ab jetzt drehen sich meine Gedanken anstatt um den nächsten Wettkampf primär um den nächsten Patienten. Hiervon stehen schon einige bereit, als ich zügigen Schrittes dem Eingang unserer Hausarztpraxis entgegen stürme.
9:00 Uhr, los geht’s. 

 

Die kommenden 9 Stunden bestimmen nun nicht mehr Wochenkilometer, Tempoläufe oder Wettkampfplanungen sondern unter anderem Bluthochdruck, Magen-Darm-Infekte, Diabetes, Rückenschmerzen, Platzwunden, Migräneattacken und ja leider nach wie vor sehr viel Husten, Schnupfen und noch mehr Corona-Abstriche meinen Alltag.

 

  

Kurz nach 18 Uhr komm ich raus, die großen und kleinen Sorgen des ein oder anderen Patienten noch im Hinterkopf… und es ist leider schon wieder dunkel. Zu allem Überfluss schneit es auch noch. Umso schöner, dass ich heute die Möglichkeit habe direkt vor Ort im Körperbau in Balingen meine zweite Trainingseinheit zu absolvieren. Nochmal kurz eine Stärkung auf dem Weg dorthin und der Arztkittel wird wieder gegen die Laufklamotten eingetauscht. 

 

    

Auch wenn das Laufband und ich vermutlich keine Freunde mehr werden, heute bin ich dankbar die Schneeflocken eine Stunde lang vom - statt schneenassen schweiß-nassen - aber vor allem eben hellen Laufband aus beobachten zu dürfen. 
Bei einem Mix aus Beinachsentraining, Fußgelenkstabilisation und Rumpfkräftigung werde ich anschließend noch ordentlich gefordert bevor ich um 20 Uhr wieder in meinem Auto sitze und durchs Schneetreiben zurück nach Tübingen fahre. 

 

  

Gut wenn es eine der Wochen dieses Corona-Winters ist, in der nicht um 20 Uhr Ausgangssperre herrscht. So kann ich auf dem Heimweg sogar noch kurz im Supermarkt ein paar Dinge fürs Abendessen und das morgige Vesper einkaufen.

 

Es ist schon nach 21 Uhr als ich daheim bin und großer Hunger gepaart mit später Uhrzeit ergeben den Klassiker: Nudeln. 


Währenddessen darf sich Timo meine Tageshighlights anhören oder aber ich lausche mit vollem Mund seinen ;).
Satt und müde checke ich noch schnell den morgigen Wetterbericht, packe meine Taschen von Arbeit und Training aus und dementsprechend direkt wieder neu ein – denn morgen geht das gleiche Spiel von vorne los. Da wäre es doch ein gutes Ziel wenigstens gegen 23 Uhr ins Bett zu fallen… ;).