Geschrieben von Lisamarie Haas

Lorenz Baum ist am Samstag im Tübinger SV03-Stadion die 10 000 Meter in handgestoppten 29:45 Minuten gelaufen. Katja Fischer lief die 25 Runden auf der blauen Bahn in 35:49 Minuten. „Die Luft war raus“, sagten Katja Fischer und auch Hanna Gröber, die in der Schweiz am Samstag nur ein Training absolviert hat. Eigentlich wollten die drei mit ihren LAV-Teamkollegen am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Mainz über 10 000 Meter starten – doch diese Chance wurde den LAV-Athleten auf bürokratischem Wege verwehrt.

Die DM 10 000 Meter hat bereits vor ihrem Stattfinden hohe Wellen geschlagen. Weil die Bundesnotbremse bei Wettkämpfen nur den Start von Landes- und Bundeskaderathleten und Berufssportlern erlaubt, sind die fünf Tübinger Athleten Lorenz Baum, Timo Göhler, Tony Tomsich, Katja Fischer und Hanna Gröber aus der Startliste gestrichen worden. Weil es in Baden-Württemberg keine Landeskader für Aktive gibt, konnten die Athleten keinen Kaderstatus nachweisen. Die anderen Landesverbände hatten schnell reagiert und Kader benannt, die den für die Meisterschaften qualifizierten Läufern einen Start bei dem Wettkampf ermöglicht haben.

Lediglich die Athleten aus dem badischen und dem württembergischen Landesverband haben keine Startmöglichkeit bekommen. Wochenlang hatten sich die Athleten auf die Titelkämpfe vorbereitet, mit einer Qualifikationsnorm in der Tasche und in großer Hoffnung, die harten Trainingsstunden auch im Wettkampf umsetzen zu können. Sogar einen PCR-Test hatten die Athleten noch gemacht – weil der für die DM notwendig war. Am Ende wurden aus den ursprünglichen Teilnehmerlisten nur wenige Athleten gestrichen - unter ihnen alle Tübinger.

Um trotzdem die gute Form zu nutzen, haben die Tübinger Läufer am Samstag ein eigenes Rennen auf die Beine gestellt. Handgestoppt ist Lorenz Baum die 10 000 Meter in inoffizieller persönlicher Bestzeit von 29:45 Minuten gelaufen. „Ich bin überglücklich, die 30 Minuten geknackt zu haben. Es war gut, dass wir, Timo, Tony, Katja und ich jetzt zu viert versucht haben, die Meisterschaft zu simulieren. Isabelle hat sich die ganze Woche ins Zeug gelegt, dass wir noch irgendwie starten können. Ich hoffe die ganze Arbeit bringt uns jetzt wenigstens noch die Möglichkeit ein, dass wir im Mai noch an den Start gehen können.“

Tony Tomsich und Timo Göhler mussten das Rennen vorzeitig beenden, beteiligten sich aber als Pacemaker und mit Anfeuerungsrufen, gemeinsam mit Trainerin Isabelle Baumann, die auf dem Rad dabei war. Katja Fischer wurde von Lukas Müller über die vielen Runden als Tempomacher begleitet. Ihr ging es dabei vor allem darum, „die 25 Runden jetzt heute einfach durchzuziehen. Wenn auch letztendlich in komplett anderem Setting als bis zuletzt gehofft und somit leider am Ende auch deutlich entfernt von der ursprünglich angestrebten Wettkampf-Pace, aber somit den Trainingsabschnitt wenigstens ordentlich abzuschließen“.

Seit am Montag bekannt geworden war, dass die Tübinger Läufer voraussichtlich nicht bei der DM starten können, hatte Isabelle Baumann täglich im Kontakt mit dem Württembergischen Leichtathletik-Verband gestanden. Sie hatte versucht, eine Möglichkeit für die Athleten zu finden, um doch am Samstag noch die Reise nach Mainz antreten zu können. Aber am Freitagabend stand fest: Es gibt keine Möglichkeit. Der WLV weicht nicht von seiner Position ab. Es wird keinen temporären Kader für die Leistungsathleten geben. Damit geht der Württembergische Landesverband einen anderen Weg als alle anderen Verbände.

„Nehmt den Lauf auf Video auf, es werden auch alternative Oscars vergeben“, hatte der Geschäftsführer der Leichtathletik Baden-Württemberg gGmbH, Sven Rees am Freitag zu Isabelle Baumann gesagt. Was genau das bedeutet – das wird sich noch zeigen. Deshalb wurde das gesamte Rennen auf Video aufgezeichnet. Zwar wurde das Rennen nur von Hand gestoppt und Lorenz wurde von wechselnden Tempomachern unterstützt – das Rennen ist damit nicht offiziell gültig. Trotzdem konnte er erneut zeigen, dass er dieses Jahr fit ist. Ob er und die anderen LAV-Athleten in diesem Jahr noch bei Meisterschaften zeigen können, wie gut sie in Form sind, das ist bislang noch fraglich.